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Wengen  |  10. März 2009

Teufel, Trolle und die Taiga

Erzählabend in der Werkstatt Tun in Ton

 

Vier Künstler traten in der Werkstatt Tun in Ton in Wengen auf, um die Besucher in ihre ausgewählte Welt von wunderbaren und wundersamen Geschichten zu entführen.

Die vier Erzählkünstler Xane Lory, Martin Niedermann, Katy Rosenheim und Julia Dorfer (vlnr) sorgten für spannende und gemütliche Momente.

Foto: Sylviane Mathys

Herzlich begrüsste Organisatorin Angelika Urban die Besucher in ihrer Werkstatt Tun in Ton. Sie bereitete sie vor, wundersame und wunderbare Geschichten von den Künstlern Katy Rosenheim aus Deutschland, Julia Dorfer aus Österreich, Martin Niedermann aus Wengen und Xane Lory aus dem Emmental zu hören.

 

Russiger Bruder

Martin Niedermann eröffnete den Abend mit Klängen seiner Leier und erzählte dabei in Mundart das Märchen «Am Tüfel si ruessig Brüeder». Nachdem die Musik verstummte, stand er auf und nahm die Zuhörer mit in eine Welt, die allmählich Gänsehaut hervorrief. Ein ausgedienter alter Soldat durchlief sieben Jahre seines Lebens im Dienste des Teufels, nur weil er ihm auf dem Kreuzweg begegnete. Da der Soldat so arm war, hatte er gar keinen anderen Weg zu gehen als denjenigen, den der Teufel ihm aufzwang. Martin Niedermann hatte aber ein Märchen mit Happy End ausgewählt: der Soldat heiratete die jüngste Tochter eines Kaufmannes, dem der Soldat Geld gegeben hatte, um sein Geschäft zu retten.

 

Begleitung mit Leier

Katy Rosenheim, Wengens Dorfärztin, hatte ihren ersten Auftritt auf eine etwas andere Art vorbereitet: Sie sang auf Deutsch eine schwedische Geschichte über eine böse Bergtrollfrau und spielte gleichzeitig Handorgel. Martin Niedermann begleitete sie auf der Leier. Ihr Auftritt danach war ohne Musik, aber nicht weniger spannend: Sie erzählte eine Geschichte, die sich in der russischen Taiga abspielte und von einem Mädchen namens Sniguredschka handelte.

 

Französische Holzschuhe

Den dritten Auftritt teilten sich die beiden Künstler. Rosenheim und Niedermann sangen ein Lied aus der Bretagne in altfranzösisch, begleitet mit Handorgel, Leier und der Fussrassel, welche die «sabots de bois», die Holzschuhe, die immer wieder im Text vorkamen, akustisch untermalten. Julia Dorfer aus Österreich, zurzeit in Wengen lebend, traute sich, eine irische Geschichte von einem zehnjährigen Knaben, der sich auf den Besuch des Zauberers freute, auf Englisch vorzutragen. Die Geschichte hiess «The Illusionist». Julia Dorfer brauchte keine Hilfsmittel, stand im Raum, ganz ruhig und überlegen und gewichtete ihre englischen Sätze so, dass der Zuhörer nicht weghören konnte.

 

Vom Dnjepr an die Emme

Xane Lory führte seine Geschichte aus dem Dnjepr-Gebiet mit Gitarrenklängen und Mundharmonika ein. Danach stand er auf und legte los: Die Beschreibung des Ortes, der Häuser mit Schilfdach, die Wohnstube mit riesigem Ofen fing sehr stimmungsvoll und warm an, obwohl es draussen sehr kalt, windig und eisig war. Die Handlung kam nach und nach. Die Personen bekamen Namen, Gesichter und Farbe, die Intrigen nahmen immer mehr zu. Die Geschichte drehte sich schneller und schneller, plötzlich kam eine Wende, und schon folgte die Auflösung. Gekonnt und faszinierend sprach Xane aus dem Emmental, zog die Zuhörer in seinen Bann und liess sie nicht los, bis dass er seinen letzten Satz formuliert hatte. Die vier Künstler hatten sich ein abwechslungsreiches Programm ausgedacht, das den Besuchern sehr gut gefiel. Die Werkstatt gab den optimalen Rahmen für eine passende Stimmung, ein kleiner Imbiss vermittelte Gemütlichkeit, und die Geschichten verbreiteten Spannung im Raum und in der Seele.