Vom Jetzt in die Sagen- und Märchenwelt
Martin Niedermann stellte das Buch seines Bruders Andreas vor
Martin Niedermann las in der Dorfbibliothek Wengen aus dem neu erschienenen Buch «Love is hell… und wir auch» seines in Wien lebenden Bruders Andreas. Von dessen harter, zeitgemässer Sprache schlug er anschliessend eine Brücke zur Welt der Sagen und Märchen.
Martin Niedermann übersetzte die hochdeutsch geschriebene Geschichte seines Bruders Andreas aus dem Stegreif in Mundart.
Foto: Sylviane Mathys
Der Wengener Martin Niedermann warnte die Zuhörer am Freitag, 21. November, in der Dorfbibliothek Wengen, dass er gerne ein Experiment starten möchte: Er könne nicht aus dem neuen Buch «Love is hell… und wir auch» seines in Wien lebenden Bruders Andreas vorlesen, denn er kenne die in sieben Kurzgeschichten beschriebene Welt nicht; die Welt in der Geschichte «Die Tränen Jesu», die von einem jungen Mädchen handelt, das erhängt an einem Streetball-Korb aufgefunden wurde. Niedermann schlug deshalb vor, wohl aus dem Buch vorzulesen, aber auf Mundart. Er nahm die Zuhörer mit und liess sie eintauchen in die Geschichte mit der sachlichen Traurigkeit. Die Geschichte beschreibt eine andere Welt, mit den groben Worten, mit der heutigen Sprache der Jugendlichen, mit der Sehnsucht nach Liebe, nach Anerkennung und nach Unabhängigkeit. Sie ist heftig, tragisch, aufwühlend und traurig. Gewollt abrupt beendete Niedermann seine Lesung mittendrin.
Schattenseite der Liebe
Es gelang Martin Niedermann anschliessend, eine Brücke in seine Welt der Sagen und Märchen zu schlagen. Er erzählte in Mundart die Sage des «Sennetuntsch» und spielte die Leier dazu, um die Tragik der Geschichte zu unterstreichen. Er zeigte eine andere Schattenseite der Liebe auf. Um die angesagte Trilogie zu vollenden, stellte Martin Niedermann das Märchen der Gebrüder Grimm von «Jorinde und Joringel» vor. Er meinte ganz nüchtern, dass ein Märchen nur in diese Trilogie passen würde, wenn es an der richtigen Stelle unterbrochen würde, was er jedoch nicht beabsichtige. Den spannenden und gelungenen Abend, den die Dorfbibliothek organisiert hatte, schloss nicht abrupt. Denn traditionsgemäss sassen die Gäste und Martin Niedermann bei einem kleinen Imbiss zusammen, um das Erlebte wirken zu lassen.


