1. Sagenmuseum der Schweiz

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Sagen sind Kulturgut, wir wollen sie erhalten und weiterleben lassen.

Das erste Sagenmuseum der Schweiz in Lauterbrunnen

Die Sagenwelt im Lauterbrunnental ist vielschichtig und lokal differenziert, wie sonst kaum in einem Ort in der Schweiz. Hier stossen Bergbau, (Schatzsagen) Alpine Sagen, Aberglaube, bis in die Neuzeit bewahrte Tradition, die Geschichten der Walser, Wirkungen der elemntaren, bedrohenden Mächte (Lawinen und Eis, Wasserfluten, Berg- und Steinrutsche) die Sagenwelt der Sennen und Bergbauern auf eine lebendige Erzählfreude.

Dank Sammlern und Forschern (wie Hans Michel und anderen) ist ein gut lokal verankerter Sagenschatz vorhanden. Diese mündliche Erzähltradition gilt es wahren.

Sagen erzählen von lokaler Tradition, Brauchtum und Mythen. Sie sind Spiegel und Definition von Herkunft , vom Recht und der Sippe. Sie zeigen ein Blick in das Empfinden und Handeln der damaligen lokalen Gesellschaft. Sie sind unterhaltend, schaffen hin und wieder Gänsehaut und lassen den Zuhörer etwas erleben.

Die Verankerung im Ort machen eine nachhaltige, erlebnisreiche Begegnung mit dem Ort Sagenmuseum  möglich.

  • Der Bezug zu den lokalen Begebenheiten
  • Naturgewalten
  • Bergbau
  • Sennerei
  • Begegnung mit bedrohlichen und hilfreichen Mächten
  • Pflege der alten Traditionen
  • Walsersiedlung
  • die lebendige mündliche Tradition des Erzählens

Das Talmuseum ist eine gut geführte Einrichtung mit breiter Verankerung in der Talschaft. Das Talmuseum bietet Möglichkeiten seine bisherige Ausrichtung in die Sagenwelt zu gestalten.

geplante Aktivitäten

Geführte Wanderungen vor Ort mit Sagen

Geführte Besichtigung im Museum mit Sagen

Sagenabende im Museum

Einbindung Schule & Altersheim (Sagenhafte Erzählungen von jungen und alten Menschen)

Begegnungen mit der Sagenwelt

 und Themen

Das Brauchtum in der Sage

Aberglaube und Christianisierung

Die Walser und die Sagenwelt

Sagen und Herkunft der Urbevölkerung

Sagen und die Kraftorte

Mystische Erlebnisse als Sagenmotiv

Verschiedene Themen,  Zwergen und Riesen, besondere Orte, geschichtliche Ereignisse, Naturgewalten

 

Ein Kratten voll Lauterbrunnersagen

Hans Michel, Ehrenbürger Lauterbrunnen

Auszug aus Vorwort

… Zum Teil bis in die heidnische Vorzeit zurückreichend, sind im Lauterbrunner-Sagenkreis die meisten mythologischen Entstehungsmotive enthalten, so die der Geisterbannung und anderer magischer Künste, der Seelenwanderung, der unheildrohenden Vorzeichen, der Schlangen, Erdmännlein und Riesen. Die Leitmotive anderer sind die durch Sünde verlorene Blümelisalp, Schreckgespenster, Poltergeister, Wetterzeichen, Drachen, verborgene Schätze, Hexen- und Teufelswerke. Da und dort treffen wir naturgeschichtliche, etymologische, besonders aber geschichtliche Anklänge.

Dem Grossteil liegt das sittlich-erzieherische Motiv zugrunde, das als Sage allgemeines Volksgut war, lange bevor die heilige Schrift es wurde, In diesen kindlich-unbefangenen Ueberlieferungen ist ein Fingerzeig, eine Mahnung oder Warnung enthalten. All den mannigfaltigen menschlichen Schwächen und Untugenden folgt das Unheil in irgend einer Form, mit Vorliebe der des tragischen „nicht an die Ruhe kommen“ nach dem Tode; Güte und Gerechtigkeit aber bringen den Segen.

In einer beträchtlichen Zahl der treuherzig-einfachen Menschen, deren Leben in enger Verbundenheit mit einer gewaltigen Bergwelt dahinfliesst, in schreckhaften Einsamkeiten und unheimlicher Grossartigkeit zur Nachtzeit, lebt selbst heute noch Aberglaube in der Sage, und wo gar kein Aberglaube, da ist auch wenig Glaube.

Die auf geschichtlicher Grundlage beruhenden Stoffe zerfallen im wesentlichen in Pestilenz- und Siedelungssagen. Eine Erläuterung der ersteren erübrigt sich; über die Bildungsmotive der letztem dürften ein paar nicht allgemein bekannte Hinweise am Platze sein.

In der Frühzeit der alemannischen Besiedelung der Talschaft gab es nur Niederlassungen auf den vor Wassernot sicheren, sonnigen, wald- und wiesenreichen Höhen von Mürren, Gimmelwald und Wengen. Der ganze enge Talgrund mit den heutigen, bedeutenden Dörfern Lauterbrunnen und Stechelberg, wie etliche Weiler waren aus klimatischen Gründen und wohl hauptsächlich wegen des ungeregelten oft verheerenden Pendellaufes der Lütschine lange Zeit nicht bewohnt. Es erhellt dies daraus, dass sämtliche alteingesessenen Einwohner in einem der drei erwähnten Höhendörfer bäuertgenössig sind.

Die erste alemannische Besiedelung fand wohl von Norden, vom Aaretal aus statt. Etliche Jahrhunderte später wurden selbst aus dem Wallis, vornehmlich aus Lötschen. im hintern Lauterbrunnental Siedlerkolonien gegründet.

Der Geschichts- und Alpenforscher W. A. B. Coolidge schrieb in seiner Studie: „Les colonies vallaisannes de l’Oberland bernois“, erschienen in den Blättern für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde, in Uebersetzung aus Französisch und Latein unter anderm:

„Gegen das Ende des dreizehnten oder am Anfang des vierzehnten Jahrhunderts wurden zwei mächtige Feudalgeschlechter infolge Heirat des Erben des einen mit der Erbin des andern vereinigt. Wir meinen die Heirat des adeligen Herrn aus dem Wallis, Jean de la Tour-Chatillon (Niedergestelen) mit Elisabeth, der letzten Vertreterin des auf dem Nordhang der Alpen mächtigen Herrschaftshauses derer von Wädiswil. So kamen die Gutsherrschaften des Hauses von Wädiswil an die des Hauses de la Tour. Diese Erbschaft verschaffte dem Erben den ganzen Nordhang der beiden Oebirgspässe, die das obere Kandertal mit dem Wallis verbinden, des Lötschenpasses und der Gemmi, wie auch die Westabdachung der Sefinenfurgge, die vom Kiental in das hintere Lauterbrunnental führt. Es ist höchst wahrscheinlich, dass bedeutende Güter dieser Lauterbrunnergegend in der Erbschaft der Elisabeth von Wädiswil inbegriffen waren. Nichts war deshalb für den Herrn de la Tour leichter, als einen Teil der Bewohner des Lötschentales, seines väterlichen Erbgutes, ob sie wollten oder nicht, in den neuen Besitzungen anzusiedeln. In den Kaufbriefen der Stiftsherren des Klosters Interlaken, die Alp Sefinen betreffend, hören wir zum erstenmal von einer Kolonie der Lötscher in dieser Gegend. In einem Dokument des Jahres 1331 (Fontes rerum Bernensium) heisst es: ,wir nehmen notiz, dass die gemeinde, genannt Löscherra, zu der heiligen kirchgemeinde von Steige gehörend, gemeinsam und einzeln einen teil auf der alp, genannt Sefina und genannt im Tal, alles gelegen in Luterbrunnen, besitzt.‘

Im Jahre 1346, sagt uns eine Urkunde, (Fontes rer. Bern.), deren Original verloren ging, dass Peter de la Tour-Chatillon (Sohn des Johann) dem Kloster unter anderm seine leibeigenen Bauern im Lauterbrunnental und auf der Planalp bei Brienz niedergelassen, verkauft. Der Teil des Textes, der uns interessiert, lautet: , min lüte die genemmet sint die Lötscher und gesessen sint ze Girnmelwalt, ze Mürren, ze Luterbrunnen, ze Trachsellowinen, ze Sichellowinen, äe Amerton, und wa sie sint in der parrochia von Steige gesessen – und ouch die Lötscher, die uffen Blanalp gesessen sint in der parrochia von Brienss.‘

Dass diese Bauern eingewanderte Leibeigene waren, ergibt sich klar aus den Ausdrücken des Kaufes: und in allen den andern rechte, als ich und min vorderen si har bracht hein an diesen tag.‘

Ohne Zweifel gingen die Lötscher von Lauterbrunnen, die in zeitgenössischen Dokumenten noch mehrmals erwähnt werden, zuletzt im Jahre 1409, bald in der übrigen Bevölkerung der Talschaft auf, deren Geschick sie von nun an teilten.“

Als Bildungsmotiv zu den verhältnismässig zahlreichen Schatzsagen mögen die im Talhintergrund in zeitlich weit auseinander liegenden Abständen betriebenen, verschiedenen Bergwerke gelten.

Dr. A. Bähler wies in der schweizerischen Alpenzeitung darauf hin, dass die blei- und eisenerzhaltigen Gänge im Hintergrunde des Tales schon 1346 bekannt gewesen sein müssen. Er schreibt: „Ein Gang von Eisenstein zieht sich von der roten Fluh und dem Dürlocherhorn (bezeichnender Name) oberhalb der Alp Stufenstein hinüber zum schwarzen Mönch. Dieses von vielem Kalkstein durchsetzte Eisenerz tritt überall in ziemlich mächtiger Schicht zu Tage und ist in solcher Menge vorhanden, dass nicht Mangel an Erz die Gewinnung unmöglich gemacht haben kann. Ein deutlicher Stollen befindet sich auf der Alp Stufenstein unterhalb der roten Fluh, von wo aus noch heutzutage, dem Auge gut sichtbar, ein Erzschlittweg über den steilen Hang des Kriegsmahdes ins Tal hinunterführt. Von diesem interessanten, alten Eisenwerk fehlen aber jegliche Angaben. Auf jeden Fall muss es schon lange vor 1700 verlassen worden sein.

Es drängen sich einem die Fragen auf, ob schon der Walliser Feudalherr Jean de la Tour-Chatillon, dessen Sohn Pierre oder beide mit ihren Leibeigenen aus Lötschen die eisenerzhaltigen Gänge hoch oben an der roten Fluh abgebaut haben, und ob die Namen Lütschine und Lötschen in etymologischem Zusammenhang stehen.